Auf dem Foto sieht man ein Kiosk-Regal mit Zeitungen

Presse-Statement: Kritik an DGN-Stellungnahme zu ME/CFS – Fatigatio e.V. fordert Korrektur und klare Positionierung

Presse

Fatigatio e.V. – Bundesverband ME/CFSMyalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome
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widerspricht entschieden der jüngst veröffentlichten Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit dem Titel „Zum aktuellen Forschungsstand bei MEMyalgische Enzephalomyelitis
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/CFS“. Die Autoren – Prof. Dr. Peter Berlit, Prof. Dr. Frank Erbguth und Prof. Dr. Christian Geis – verkennen darin wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse zu zentralen, international validierten Erkenntnissen zur somatischen Pathophysiologie von Myalgischer Enzephalomyelitisentzündliche Veränderung im zentralen Nervensystem
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/Chronisches Fatigue Syndromschwere neuroimmunologische Erkrankung mit PEM sowie Belatungsintoleranz als Leitsymptom
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(ME/CFSChronisches Fatigue Syndrom
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) und gefährden so u.a. eine evidenzbasierte Versorgung dieser – oftmals schwer – chronischlange andauernd, dauerhaft
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kranken Menschen.


Der vollständige Widerspruch des Fatigatio e.V. ist hier abrufbar: https://www.fatigatio.de/aktuelles/detail/forschungsstand-zu-me-cfs-fatigatio-widerspruch-zur-stellungnahme-dgn

Bei Rückfragen kontaktieren Sie uns bitte über presse(at)fatigatio.de.


Wissenschaftlich belegt: ME/CFS ist eine somatische Erkrankung

Aktuelle internationale Studien, unter anderem präsentiert auf der International ME/CFS Conference 2025, zeigen: ME/CFS ist eine komplexe, körperliche Multisystemerkrankung mit immunologischen, neurologischen, metabolischen und vaskulären Dysfunktionen. Besonders charakteristisch ist die sogenannte Post-Exertional MalaiseUnwohlsein
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(PEMPost-Exertional Malaise
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) – eine krankhafte Verschlechterung nach geringer Belastung.

Kritik an der DGN-Stellungnahme:

  • Veraltetes Krankheitsverständnis: Die DGN ignoriert zentrale Forschungsergebnisse und stellt die somatische Ursache von ME/CFS infrage – entgegen internationaler Leitlinien und WHO-Klassifikation.
  • Stigmatisierende Sprache: Die Diskussion um den Begriff "Enzephalomyelitis" verlagert die Debatte auf Nebenschauplätze und verschärft die gesellschaftliche Stigmatisierung.
  • Gefährliche Therapieempfehlungen: Die DGN empfiehlt vorrangig psychologische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie und warnt nicht vor schädlichen Effekten z.B. durch körperliches Training (Graded Exercise Therapy - GET) – dies widerspricht Studien und internationalen Behandlungsrichtlinien (u.a. NICE guideline, 2021).
  • Irreführende Darstellung des Forschungsstands: Wichtige Entwicklungen – z.B. Autoantikörper-Forschung, gestörte Energieproduktion, neurovaskuläre Dysfunktion – bleiben unerwähnt.

Fatigatio e.V. fordert:

  • Eine umgehende Korrektur der Stellungnahme und Einbezug aktueller Forschungsergebnisse.
  • Eine klare Positionierung der DGN zur somatischen Natur von ME/CFS.
  • Den Verzicht auf irreführende oder verharmlosende Formulierungen, die die gesundheitliche Versorgung und gesellschaftliche Wahrnehmung von ME/CFS-Betroffenen nachhaltig schädigen können.

Über ME/CFS

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches FatigueAndauerndes Gefühl der Erschöpfung
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Syndrom ist eine schwere neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Beeinträchtigung führt. Die WHO stuft ME/CFS seit 1969 als neurologische Erkrankung ein. Auslöser von ME/CFS sind meist Virusinfekte, z.B. mit EBV, Influenza oder SARS-Cov-2. In Deutschland waren vor der Pandemie schätzungsweise 250.000 Menschen betroffen. Rund 16 % sind Kinder und Jugendliche. Laut KBV gab es 2023 mindestens 620.000 Behandlungsfälle in Deutschland, Tendenz stetig steigend. ME/CFS ist ein eigenständiges komplexes Krankheitsbild und nicht mit dem Symptom „Fatigue“ gleichzusetzen, das beispielsweise auch bei Multipler Sklerose (MS) vorkommt. Charakteristisch für ME/CFS ist die sog. Post-Exertional Malaise (PEM), eine ausgeprägte und anhaltende Verstärkung aller Symptome nach geringer physischer und/oder kognitiver Anstrengung. 60% der Erkrankten sind arbeitsunfähig, ein Viertel kann das Haus nicht mehr verlassen, viele sind pflegebedürftig oder bettlägerig. In Deutschland sind nur zwei Kliniken auf ME/CFS spezialisiert – das Charité Fatigue ZentrumFatigue Centrum der Charité - Universitätsmedizin Berlin
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(Berlin) und das Fatigue Centrum für junge Menschen (TU München). Betroffene aus anderen Bundesländern können sich bislang dort nicht vorstellen. Die medizinische und soziale Versorgungslage der Betroffenen ist daher prekär. Bislang gibt es keine kurative Behandlung oder Heilung für ME/CFS-Erkrankte.

Über Fatigatio e.V. - Bundesverband ME/CFS

Seit 1993 unterstützen wir Betroffene und Angehörige ehrenamtlich in Deutschlands größter ME/CFS-Patientenorganisation mit mehreren Tausend Mitgliedern. Wir leisten Selbsthilfearbeit, schaffen Informationsangebote und bieten individuelle Hilfestellung, z.B. in derzeit 16 Regionalgruppen. Der Einsatz für Versorgung, Forschung und Aufklärung sowie ein starkes internationales Netzwerk bilden die Basis des Bundesverbands ME/CFS.

Mehr Informationen zur Arbeit des Fatigatio e.V. und der Erkrankung auf www.fatigatio.de.


Eine Gegenposition der Lost Voices Stiftung gemeinsam mit Fatigatio e.V. und vielen weiteren Patientenorganisationen kritisiert die Stellungnahme der DGN zu ME/CFS und ist hier abrufbar. Das gemeinsame Schreiben wird direkt an die Autoren der DGN-Stellungnahme verschickt (Stand 30.07.2025).