Auf dem Foto sieht man ein Kiosk-Regal mit Zeitungen

Werkstattgespräch „Gemeinsam gegen Einsamkeit" im Landtag Nordrhein-Westfalen

Aktuelles

In NRW sind etwa 14,5% der Menschen von Einsamkeit betroffen, was sich negativ auf ihre mentale und körperliche Gesundheit auswirkt. Die Landesregierung und die CDU-Landtagsfraktion setzen sich mit Maßnahmen zur Bewältigung und Prävention von Einsamkeit auseinander. Beim gut besuchten Werkstattgespräch diskutierten die Teilnehmenden u.a. mit Gesundheitsminister Laumann verschiedene Perspektiven von Einsamkeit am 16. Januar 2024 im Landtag in Düsseldorf.


"Einsamkeit ist ein Phänomen, das alle Menschen betreffen kann. Umso wichtiger ist es, die Risikofaktoren weiter zu erforschen." - Ministerpräsident Hendrik Wüst, Nordrhein-Westfalen

Der Fokus beim Werkstattgespräch "Gemeinsam gegen Einsamkeit. Ursachen, Maßnahmen, Erfolgsgeschichten" lag auf der Frage, wie auf allen gesellschaftlichen Ebenen besser gegen Einsamkeit vorgegangen werden kann und welche Rolle der Politik dabei zukommt. Ehrenamtliche Initiativen, zivilgesellschaftliche Organisationen und wissenschaftliche Forschung spielen bereits eine wichtige Rolle bei konkreter Hilfe und Betreuung sowie bei der Entwicklung evidenzbasierter Maßnahmen gegen Einsamkeit. Die verschiedenen Perspektiven der zahlreichen Teilnehmenden aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft wurden gehört, u.a. auch aus der Sicht des Fatigatio e.V. - Bundesverband ME/CFS. Denn ein wesentlicher Risikofaktor von Einsamkeit können (chronische) Erkrankungen sein.

In Absprache mit der Deutschen Gesellschaft ME/CFS e.V. und der Initiative Long COVID Deutschland sowie Long COVID NRW konnte unsere Vorstandsvorsitzende Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann in ihrem Beitrag zum Werkstattgespräch auf große Gruppe von chronisch Kranken aufmerksam machen, die aufgrund von Faktoren, wie Pflegebedürftigkeit, Haus- und Bettgebundenheit, soziale Isolation, nicht ausreichender Versorgung, Zukunftsängsten uvm. oft schwer von Einsamkeit betroffen sind. 

Dr. Lange-Riechmann hob bei der Veranstaltung zudem hervor, dass Einsamkeit auch bei jungen Menschen, die z.B. von Krankheiten wie ME/CFS oder Post Covid betroffenen sind, eine große Rolle spiele. 

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Einsamkeitsforscherin Prof. Dr. Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum hatten Ende November 2023 bereits die Studie „Einsamkeit unter Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen nach der Pandemie“ vorgestellt. Demnach sei jeder fünfte Jugendliche in Nordrhein-Westfalen stark einsam.

"Einsamkeit ist die neue soziale Frage unserer Zeit. Wir müssen verhindern, dass aus einsamen Kindern und Jugendlichen einsame Erwachsene werden." - Ministerpräsident Wüst.

 

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen adressiert Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und plant daher vielfältige Maßnahmen.

Mit einem Fünf-Säulen-Modell und unter Einbindung von Wissenschaft und anderen Akteuren soll Einsamkeit in Nordrhein-Westfalen begegnet werden. Die fünf Säulen bestehen aus:

1. Erschließung des Phänomens Einsamkeit

2. Sensibilisierung der Öffentlichkeit

3. Identifikation von Best Practices

4. Entwicklung niederschwelliger Maßnahmen

5. Unterstützung von Aktiven und Ehrenamtlichen vor Ort

Zu Säule 5 wies die Vorstandsvorsitzende des Fatigatio e.V. gezielt darauf hin, dass ehrenamtliche Helfer im Kontext von ME/CFS Kenntnisse über die Erkrankung haben sollten, da Betroffene beispielweise mit dem Leitsymptom Belastungsintoleranz bzw. Post-Exertional Malaise (PEM) eine spezielle Unterstützung benötigten. 

 

Mehr Informationen zum Thema Einsamkeit auch auf der Website der Landesregierung Nordrhein-Westfalen: LINK

Nachrichten-Beitrag im WDR vom 24.11.2023 zur o.g. Studie zu Einsamkeit unter jüngeren Menschen: LINK


Hintergrund zum Thema Einsamkeit:

Die Definition von Einsamkeit durch die renommierte Forscherin Prof. Dr. Maike Luhmann lautet:

„Eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen.“

Dabei kann man allein sein, aber nicht einsam, abhängig von der Qualität der sozialen Verbindungen.

Die Covid-19 Pandemie hat die Entwicklung von Einsamkeit beschleunigt, insbesondere während des Lockdowns. Vulnerable Gruppen, darunter Jugendliche, ältere Menschen, Alleinerziehende, Menschen in Umbruchsituationen und mit Migrationshintergrund, aber auch chronisch kranke Menschen sind besonders betroffen.