Die politischen Initiativen unterstreichen mit ihren Anträgen die Dringlichkeit: Während der CDU-Antrag auf den massiven Anstieg der diagnostizierten Fälle in der Hansestadt hinweist – mit zehntausenden neuen ME/CFS- sowie Post-COVID-Diagnosen in den vergangenen Jahren – betont der Antrag der LINKEN die gravierenden Versorgungslücken, die häufig Fehldiagnosen, unzureichende ambulante Strukturen und fehlende spezialisierte Anlaufstellen nach sich ziehen. Beide Anträge zielen darauf ab, die Versorgungslage grundlegend zu verbessern: Angedacht sind eine spezialisierte Ambulanz, interdisziplinäre Hochschulstrukturen, aufsuchende Angebote, Forschung, Fortbildungen und eine stärkere öffentliche Aufklärung.
Auch die Regionalgruppe Hamburg des Fatigatio e.V., Deutschlands größte Patientenorganisation für Menschen mit ME/CFS, wird sich an der Anhörung beteiligen. Ein Mitglied der Hamburger Gruppe bringt sich bei diesem Termin als geladener Experte ein, um somit die Weichen für eine bessere Versorgung in Hamburg mitzustellen und um aufzuzeigen, wo politische Maßnahmen unmittelbar ansetzen müssen. Dazu berichtet unser Mitglied über in Hamburg erlebte Fehldiagnosen und Falschbehandlung, sowie die Stigmatisierung und Psychologisierung seiner ME/CFS-Erkrankung.
Neben dem Fatigatio e.V. sind insgesamt acht weitere Fachleute vertreten, unter anderem:
- Dr. Christiana Franke, Charité Universitätsmedizin Berlin
- Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig
- Dr. Jakob Johne, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut und Poliklinik Allgemeinmedizin
Die vollständige Liste der Experten sowie die Tagesordnung können hier abgerufen werden.
Damit versammelt der Ausschuss Stimmen aus Wissenschaft, Praxis und Selbsthilfe – eine wichtige Konstellation, um die komplexen Krankheitsbilder umfassend zu beleuchten.
Die Anhörung verfolgt mehrere Ziele:
- Darstellung der aktuellen Versorgungslage in Hamburg und der bestehenden Defizite.
- Fachliche Einschätzung, welche ambulanten, klinischen und wissenschaftlichen Strukturen notwendig sind.
- Bewertung der politischen Anträge und ihrer möglichen Umsetzung.
- Einbindung der Betroffenenperspektive, um Versorgungslösungen alltagsnah und realistisch zu gestalten.
Für alle ME/CFS- und Long- bzw. Post-COVID-Betroffenen, ihre Angehörigen sowie für Fachleute im Gesundheitswesen kann diese Anhörung öffentliche Aufmerksamkeit für ein Thema schaffen, das trotz hoher Betroffenenzahlen immer noch zu wenig Beachtung in Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft findet.
Die Sitzung ist für alle Interessierten zugänglich – sei es vor Ort oder online im Livestream.
Die Anhörung wird über den Livestream – Hamburgische Bürgerschaft abrufbar sein.