Auf dem Foto sieht man ein Kiosk-Regal mit Zeitungen

Stellungnahme zum Positionspapier von DGPPN und DGPM

07 Fatigatio e.V. Aktuelles

In einer Stellungnahme vom 29. April 2026 begrüßt der Fatigatio e. V. das kürzlich veröffentlichte Positionspapier der DGPPN und der DGPM als einen grundsätzlich richtigen Ansatz, übt jedoch zugleich deutliche Kritik an zentralen inhaltlichen Punkten.


Der Fatigatio e. V., Bundesverband ME/CFS hat der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM) eine Stellungnahme zu ihrem Positionspapier „Post-COVID-Syndrom: Interdisziplinäre Versorgung sichern, Forschung stärken, Teilhabe verbessern“ zukommen lassen. Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.

Positiv hebt der Verein in dieser die Anerkennung von Post COVID als schwerwiegende körperliche Erkrankung sowie den enthaltenen Hinweis auf die Stigmatisierung Betroffener hervor. Erkrankte berichten häufig von fehlender Anerkennung ihrer körperlichen Symptome und davon, dass die Krankheit als psychisch verursacht fehlgedeutet wird.

Allerdings erfüllt das Positionspapier aus Sicht des Verbandes nicht die Erwartungen an eine umfassende Betrachtung postinfektiöser Krankheitsbilder. DGPPN und DGPM berücksichtigen in ihrem Positionspapier nur das Post-COVID-Syndrom und vernachlässigen dabei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) und andere postakute Infektionssyndrome (PAIS). Dadurch entsteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin, in der Erkrankte ohne COVID-Nachweis übergangen werden. 

Auch die wiederholte Betonung des „biopsychosozialen Modells“ bewertet der Verband kritisch. Fatigatio e. V. setzt sich grundsätzlich für eine ganzheitliche Betrachtung ein, weist jedoch auf die in der Praxis etablierte Vernachlässigung der biologischen Dimension hin. Dies kann dazu führen, dass körperliche Ursachen nicht ausreichend erforscht und Betroffene unangemessen oder fehlerhaft behandelt werden.

Besonders kritisch bewertet der Verband die implizite Empfehlung, allen Patienten eine Psychotherapie anzubieten – auch ohne psychische Symptome. Für eine kausale Wirksamkeit dieses Ansatzes gibt es momentan keine Evidenz. Zudem besteht die Gefahr, dass Belastungsgrenzen und Post-Exertionelle Malaise (PEM) nicht beachtet werden und somit eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes riskiert wird. 

Grundsätzlich sieht der Verband einen dringenden Bedarf, die biologische Ebene mehr in den Fokus zu nehmen. Eine psychotherapeutische Versorgung sollte als begleitende Maßnahme im Bedarfsfall betrachtet werden, sie kann biomedizinische Therapieverfahren nicht ersetzen. Die Gelder aus der „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ sollten daher vorrangig in die biomedizinische Forschung investiert werden. Ziel sollte es sein, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und ursächliche oder zumindest symptomlindernde Therapien zu entwickeln. 

Auch weist Fatigatio e. V. auf bestehende Defizite in der Versorgung hin. Viele Betroffene erhalten keine adäquaten sozialrechtlichen Leistungen wie eine Erwerbsminderungsrente oder einen angemessenen Grad der Behinderung. Eine unzureichende medizinische Einordnung kann somit konkrete negative Auswirkungen auf die Lebensrealität Betroffener haben.