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"Wir informieren über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten und bieten Informationen an"

Um die Lebensperspektiven für Menschen mit ME/CFS zu verbessern.

News Dezember 2015

Datum: 17.12.2015 Kategorie: Aktuelles

Wenig effiziente und aufwändige Prozesse im Frontalcortex bei Kindern mit CFS
Kei, Mizuno, Masaaki Tanaka, Hiroki C. Tanabe, Takako Joudoi, Junko, Kawatani, Yoshihito Shigihara, Akemi Tomoda, Teruhisa Miike, Kyoko Imai- Matsumura, Norihiro Sadato, Yasuyoshi Watanabe

Neuroimage Clinical, in: Elsevier 10.9.2015

Abstract:
Die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu teilen, verschlechtert sich bei Kindern und Jugendlichen mit CFS. Wir führten eine Studie durch, bei der wir sowohl eine zweigleisige verbale Aufgabe stellten, um den Ort für die Fähigkeit zu Konzentration (Aufmerksamkeit) auf zwei gleichzeitige Aktivitäten (Vokale herausfinden und Textverständnis) herauszufinden, als auch MRT zur Bildgebung einsetzten.
Die Patienten wiesen ein viel größeres Areal der Aktivierung auf, unter Einbeziehung zusätzlicher frontaler Areale:

  1. die rechte mittlere Hirnwindung (MFG), die in den zum Rücken hin gelegenen seitlichen präfrontalen Cortex mit eingeschlossen ist, war bei den CFS- Patienten stark aktiviert, sowohl bei den eingleisigen als auch bei den zweigleisigen Aufgaben; dieses Niveau der Aktivierung korrelierte positiv mit den Scores der Motivation zu den Aufgaben und der Fehlerfreiheit beim Textverständnis.
  2. Bei den Patienten waren die zum Rücken hin gelegene vordere cinguläre Hirnwindung (dACC) und die linke MFG nur bei der zweigleisigen Aufgabe aktiviert, und die Stärke der Aktivierung des dACC und linker MFG korrelierte positiv mit den entsprechenden Punktzahlen von Motivation und Fatigue. Patienten mit CCFS wiesen ein größeres Areal aktivierter Frontalregionen im Gehirn auf bezogen auf die Intensität der Aufmerksamkeit, um die schwächere Leistung mit massiver mentaler Anstrengung zu erhöhen. Das ist vermutlich weniger effizient und „kostspielig“, um es mit einem Begriff des Energiebedarfs zu beschreiben. Anscheinend hängt es mit der Pathophysiologie der CFS- Patienten zusammen und erzeugt einen Teufelskreis, der die Fatigue weiter verstärkt.

Highlights:

  • Die Verringerung der Fähigkeit zu geteilter Aufmerksamkeit stand mit CFS bei Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang.
  • Der linke Frontalcortex gesunder Studenten war aktiv bei Sprachaufgaben mit geteilter Aufmerksamkeit.
  • Rechter MFG und ACG waren zusätzlich aktiviert bei Kindern und Jugendlichen mit CFS.
  • CFS bei Kindern und Jugendlichen lässt sich beschreiben als energie- ineffizienter Prozess im Frontalcortex.

Buchtipp:

Metabolic Brain Disease, darin ein zusammenfassender Artikel “Mitochondrial dysfunctions in Myalgic Encephalomyelitis / chronic fatigue syndrome explained by activated immuno-inflammatory, oxidative and nitrosative stress pathways”
Autoren: Gerwyn Morris, Michael Maes


Eine Übersicht zu verschiedenen Studien zu ME/ CFS

In: Reviews on Environmental Health Band 30 Heft 4, Dez. 2015, Seiten 223–249
Alison C. Bestedt, Lynn Marshall
Department of Medicine, University of British Columbia, Vancouver, BC, Canada
Department of Family and Community Medicine, University of Toronto, Toronto, ON, Canada
Publikationsverlauf
Erhalten: 17.08.2015 Angenommen: 02.11.2015 Erschienen Online: 27.11.2015

Abstract:

  • Diese Übersicht wurde aus der Sicht des behandelnden Arztes geschrieben mit dem Ziel, das Fachpersonal im Gesundheitsbereich und die Öffentlichkeit über ME/ CFS weiterzubilden. Sie umfasst die klinische Definition von ME/ CFS mit Schwerpunkt Diagnosestellung; die Ätiologie, Pathophysiologie, Krankheitsmanagement, Langzeitprognose und Krankheitskosten von ME/ CFS. Nach Studium dieser Übersicht und mit den darin bereit gestellten Tools und Informationen werden Sie besser imstande sein, Ihre CFS/ ME- Patienten zu diagnostizieren und zu behandeln.
  • ME/ CFS ist ein komplexer chronischer Krankheitszustand, charakterisiert durch Häufungen von Symptomen wie pathologische Fatigue und Unwohlsein, die sich verstärken nach Anstrengung, kognitive Fehlfunktionen, immunologische Störungen, nicht erholsamen Schlaf, Schmerzen, vegetative Störungen und neuroendokrinologische sowie immunologische Symptome. ME/ CFS ist verbreitet, führt oft zu Schwerbehinderung und ist kostspielig.
  • Das IOM (Institute of Medicine) überprüfte die ME/ CFS- Literatur und schätzt, dass zwischen 836.000 und 2,5 Millionen Amerikaner an CFS erkrankt sind, zu Kosten zwischen 17 und 24 Billionen Dollar jährlich. Das IOM schlug einen neuen Namen für CFS/ ME vor und nannte es SEID, Systemische Belastungsintoleranz- Erkrankung. Die Diagnosekriterien für SEID sind weniger spezifisch und schließen psychiatrische Störungen nicht aus. Die Studie Canadian Community Health Survey von 2010 entdeckte, dass 29% der ME/ CFS- Patienten Bedürfnisse haben, die von der Gesundheitsversorgung nicht erfüllt werden, und 20% hatten keinen sicheren Zugang zu hinlänglich gesunden Nahrungsmitteln.
  • ME/ CFS kann sehr stark entkräftend sein und die Patienten zu Bettlägerigkeit verurteilen. Dennoch kämpfen die meisten Patienten (80 %) darum, eine Diagnose zu bekommen, weil die Ärzte weder im Studium noch in der Assistenzarzt-Zeit gelernt haben, wie man ME/ CFS diagnostiziert oder behandelt. Folgerichtig leiden die Patienten mit ME/ CFS. Sie erhalten keine Diagnose und werden nicht entsprechend behandelt. Statt mitfühlender Betreuung durch ihre Ärzte werden sie oft von genau den Leuten lächerlich gemacht, von denen sie Hilfe erhoffen.
  • Die genaue Ätiologie von ME/ CFS bleibt unbekannt, aber neue Fortschritte und Forschungsergebnisse zur Mitwirkung von: infektiösen, genetischen, immunologischen, kognitiven Faktoren einschließlich metabolischer und biochemischer Auffälligkeiten werfen ein erstes Licht auf das Rätsel dieser Krankheit.
  • Das Krankheitsmanagement von ME/ CFS- Patienten besteht in patientenorientierter unterstützender Symptombehandlung, beginnend mit denjenigen Symptomen, die den Patienten am meisten beeinträchtigen. Energiemanagement, Pacing mit eingeplanten Ruhephasen ist unserer Meinung nach die wichtigste Copingstrategie, die die Patienten lernen können, um mit ihrer Krankheit besser umzugehen und das Unwohlsein und die Erschöpfung nach Anstrengung zu stoppen. Pacing erlaubt den Patienten, die Fähigkeit zur Planung von Aktivitäten wiederzugewinnen, und langsam stufenweise immer mehr Funktionen wiederzuerlangen.

Extended B-cell phenotype in patients with Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A cross-sectional study

Autoren: Fane Mensah, Amolak Bansal, Saul Berkovitz, Arti Sharma, Venkat Reddy, Maria J. Leandro and Geraldine Cambridge

Department of Rheumatology Research, Division of Medicine, University College of London, London, United Kingdom

Department of Immunology, Epsom and St Helier University Hospitals NHS Trust, London, United Kingdom

Department of Neurology, Royal London Hospital Of Integrated Medicine, London, United Kingdom

Veröffentlicht am 8.12.2015 © 2015 British Society for Immunology

Abstract:

  • ME/ CFS ist ein heterogener Krankheitszustand unbekannter Ursache, charakterisiert durch vielfältige Symptome einschließlich Fatigue, Unwohlsein nach Anstrengung und kognitiven Beeinträchtigungen, die mindestens 6 Monate anhalten. Kürzlich berichteten zwei klinische Studien zu Therapien bei B- Zellen- Depletion mit Rituximab (anti- CD20) überzeugende Besserung der Symptome. Deshalb vermutet man eine mögliche, aber noch unbestimmte Funktion der B- Zellen.
  • Studien zu den relativen Prozentanteilen von B- Zellpopulationen bei Patienten mit ME/ CFS haben keinerlei wiederholbaren Unterschiede zu gesunden Kontrollpersonen (HC= healthy controls) ergeben. Um herauszufinden, ob noch feinere Veränderungen in den B-Zell-Populationen vorliegen, verglichen mit den B- Zell- Differenziationen bei ME/ CFS- Patienten, setzten wir Durchflusszytometrie ein, um den Immun- Phänotyp der CD 19+B- Zellen zu bestimmen. Das Gremium verwendete IgD, CD27 und CD38 (klassische B- Zellen- Teilmengen) zusammen mit zusätzlichen Markern. Eine Anzahl von 38 Patienten, die die Kanadischen und Fukuda- Kriterien erfüllten, und 32 nach Alter und Geschlecht passende Kontrollpersonen waren in die Studie eingeschlossen. Wir fanden keinen Unterschied hinsichtlich prozentualer Anteile der klassischen Teilmengen zwischen ME/ CFS- Patienten und gesunden Kontrollen.
  • Wir beobachteten aber einen Anstieg bei der Häufigkeit (p<0.01) und Expression (MFI; p=0.03) von CD24 bei sämtlichen B- Zellen, begrenzt auf IgD+ Teilmengen. Bei den T-Lymphozyten- (Memory) Teilmengen war eine größere Häufigkeit von CD21+CD38- B-cells (>20%) mit dem Vorliegen von ME/ CFS assoziiert, verglichen mit gesunden Kontrollen (Odds ratio: 3.47 (1.15-10.46); p=0.03) und es gab eine negative Korrelation mit der Krankheitsdauer. Als Fazit identifizierten wir mögliche Veränderungen des B- Zell- Phänotyps bei ME/ CFS- Patienten. Diese Ergebnisse könnten auf veränderte B- Zell- Funktionen hinweisen, und sollte sich das bei weiteren Patientenkohorten bestätigen, wäre damit eine Grundlage für Studien, basierend auf klinischer Lehre oder Ansprechbarkeit auf Therapie mit Rituximab, geschaffen.